Fleisch Siegel – was steckt dahinter?

Veröffentlicht am: 25.01.2018

Fleisch Siegel – was steckt dahinter?

Als „Paleoaner“ leben und lieben wir eine gesunde und ausgewogene Ernährung, orientiert an unseren ursprünglichen Ernährungsmustern. Anstatt Fleisch grundsätzlich aus unserem Leben zu verbannen, betrachten wir es zwar nicht als einen alltäglichen, aber doch weiteren Bestandteil unserer Ernährung. Statt Verzicht, mehr Bewusstsein für Ursprung und Nachhaltigkeit des Produktes. Und tatsächlich ernähren sich laut BMEL (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft) Studie nur 4% der Deutschen vegetarisch, den großen Rest gilt es für die Qualität von Weide,-und Bio Fleisch zu sensibilisieren. Und dass mehr Qualität auch mehr Tierwohl bedingt, ist bereits die Forderung von 87% aller Deutschen, 88% sind sogar bereit, für Fleisch aus „artgerechter Tierhaltung“ mehr zu zahlen. Dass es hier bei 82% der Verbraucher vor allem auch um mehr Transparenz geht, ist das Ergebnis des BMEL Ernährungsreports 2017.

Dem soll nun mit Einführung eines staatlichen Tierwohllabels auf die Sprünge geholfen werden. Das staatliche Tierwohllabel „Mehr Tierwohl“ ist ein Versuch, Verbrauchern die Kaufentscheidung zu erleichtern, indem es die Produkte kennzeichnet, bei deren Erzeugung höhere als die gesetzlichen Mindeststandards eingehalten wurden. Im Gegensatz zu anderen Siegeln, die auf „Nischenprodukte“ setzen, ist das Ziel hier, das Tierwohl in der Breite zu verbessern. Das Siegel soll zwei Stufen beinhalten, eine Eingangsstufe und eine Premiumsstufe – wobei bereits die Kriterien der Eingangsstufe deutlich über den Anforderungen des gesetzlichen Mindeststandards liegen. Für die Haltung von Schweinen sieht das Siegel z.B. vor, 33% mehr Platz im Stall zu haben, als es der gesetzliche Mindeststandard vorschreibt. Zum anderen berücksichtigt bereits die Eingangsstufe des Siegels die Aufzucht von Ferkeln wie z.B. eine längere Säugphase und mehr Platz bei der Aufzucht. Das Siegel soll ab 2018 in Kraft treten.

Das Label „Für mehr Tierschutz“, zertifiziert nach Richtlinien des Deutschen Tierschutzbundes, bietet ebenfalls zwei Stufen und auch hier liegen die Grundanforderungen deutlich über den gesetzlichen Vorgaben. Die Tiere müssen z.B. 45% mehr Platz haben sowie eigene Bereiche zum Liegen, Fressen und Koten bekommen. Beschäftigungsmaterial als auch eine Bestandsobergrenze von 3000 Schweinen pro Betrieb sind weitere Bedingungen der Eingangsstufe. Allerdings ist die Verbreitung des Siegels sehr gering: nur 2% der Verbraucher gaben an es zu kennen.

Das Label „Neuland“ bietet im Vergleich die strengsten Standards und da es bereits in den 80er Jahren ins Leben gerufen wurde, kennen es immerhin 20% der Deutschen. Zu den Kriterien gehört beispielsweise eine Obergrenze von 950 Schweinen, flächendeckend Stroh im Stall, keine Spaltböden, sowie Auslaufmöglichkeiten, Tageslicht und ein Verbot von importierten Futtermitteln.

Die Kritik an allen Siegeln ist, dass die Teilnahme freiwillig ist, somit zertifiziertes Fleisch weiterhin mit Billigfleisch konkurriert und die Zustände in der Massentierhaltung nicht breitflächig verbessert werden. Ein weiterer Mangel ist, dass die Initiativen nur für einzelne Betriebe gelten und nicht für die gesamte Kette, somit keine Garantie sind für „lebenslänglich“ glücklichere Tiere. Grundsätzlich aber gilt, dass zertifiziertes Fleisch trotz Mängel und Lücken auf jeden Fall die bessere Wahl ist. Am Ende bestimmt die Qualität unserer Lebensmittel unsere eigene Gesundheit: „We are what we eat“..

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