Kakao – nachhaltig und fair

Published : 17.08.2017

Kakao – nachhaltig und fair

KAKAO, das wohl älteste Genussmittel der Menschheitsgeschichte. Seit über 3000 Jahren verführt die tropische Frucht Menschen und Völker – und tut es bis heute. Als Rohstoff für die Herstellung von Schokolade, gilt Kakao heute als eines der wichtigsten Ressourcen für die weltweite Süßwarenindustrie. Eine Erfolgsgeschichte ohnegleichen, hält man sich vor Augen, dass die bittere Kakaopaste einst nur zu besonderen Anlässen als heiliges Getränk und Medizin von den Olmeken, später von den Maya und Azteken, verehrt wurde. Und wie mit so vielen Rohstoffen, die einen plötzlich weltweiten Boom erfahren, droht die Gefahr, dass Kakao an seinem globalen Welterfolg zu Grunde geht – zu viel Massenkonsum, sowie Ausbeutung von Land und Leuten. Unser Planet blutet an allen Enden, das ist bekannt, aber dass selbst nachwachsbare Genussmittel wie Kakao der zukünftigen Nachfrage nicht mehr Stand halten können, auch und vor allem mitbedingt durch fortschreitenden Klimawandel, ist neu und äußerst beunruhigend. Manche sprechen sogar von einer Schokoladenkrise, gestützt darauf, dass bei einer Fortsetzung heutiger Konsumtrends im Jahr 2020 die Nachfrage nach Kakao das Angebot um 1 Million Tonnen übersteigen wird, was eine Versorgungslücke von 20 bis 25% hieße. Während es 1960 noch rund eine Million Tonnen waren, liegt mittlerweile der jährliche Kakaokonsum bei über 4 Millionen Tonnen - und soll auf 5 Millionen Tonnen bis 2020 steigen. Um diese Million mehr an Kakao zu produzieren, werden mindestens eine Million Hektar Land benötigt, was die Entwaldung unseres ohnehin gefährdeten Regenwaldes weiter anheizen würde. Für die steigende Nachfrage sind vor allem Schwellenländer verantwortlich mit China als größtem und stärksten Zugpferd. Hinzukommt, dass in Europa immer mehr hochprozentige Schokolade bevorzugt wird, mit einem Kakaoanteil von 70% und mehr. All das veranlasst die Schokoladenproduzenten mit einem Kakao Defizit von einer Million Tonnen im Jahr 2020 zu rechnen. Das wiederum würde die Preise für Kakao ankurbeln, die sich Ende des letzten Jahrhunderts mehr als halbiert hatten. Trotz dessen verdienen Kakaobauern in Ghana gerademal 50 Cent pro Tag; es müssten vier Mal so viel sein, um die Menschen aus der absoluten Armut zu holen. Kakaoanbau ist ein berüchtigter Motor für Kinderarbeit, Armut, Landraub und Regenwaldzerstörung. Mit einem Anteil von über 10% an der weltweiten Kakaoernte, trägt Deutschland eine nennenswerte Mitverantwortung für die gesamte Kakao-Wertschöpfungskette. Ein verantwortungsvoller und schonender Umgang mit unseren natürlich vorkommenden Ressourcen ist Grundvoraussetzung für die Erhaltung der Lebensgrundlage künftiger Generationen. Und nicht zuletzt, um den weltweit steigenden Bedarf auch in Zukunft decken zu können. Lobenswert ist, dass in 2016 der Anteil an nachhaltig erzeugtem Kakao in den in Deutschland verkauften Süßwaren auf 45% anstieg (2011 waren es noch 3%), bis 2025 sollen es 70% werden. Nun, was heißt nachhaltig produzierte Schokolade? Hier ein Überblick über die wichtigsten Kakao Siegel:

Fairtrade: Das Fairtrade-Siegel steht für bessere soziale Bedingungen, verbietet ausbeuterische Kinderarbeit und den Einsatz bestimmter Pestizide. Das Ziel ist, die Handelspositionen von Bauern zu verbessern, um diesen den Zugang zu globalen Märkten zu ermöglichen. So wird dem Farmer beispielsweise ein Mindestpreis garantiert. Um auf die Befindlichkeiten des Kakaosektors speziell einzugehen, hat Fairtrade 2015 ein eigenes Siegel für Kakao verabschiedet: „Fairtrade Cocoa“.

Rainforest Alliance: Der „grüne Frosch“ setzt sich vor allem für den Erhalt tropischer Regenwälder und ihrer Artenvielfalt ein. So sollen z.B. statt hybrider Arten, einheimische Pflanzen angebaut werden und nur erlaubte Pestizide zum Einsatz kommen. Das Siegel verspricht einen „fairen“ Anteil von mehr als 90%.

UTZ: UTZ ist um einen offenen und transparenten Markt („from field to bar“) bemüht. Darin beinhaltet sind sowohl Sozial- als auch Umwelt-Bedingungen, wie maßvoller Umgang mit Pestiziden, Vermeidung von Kinderarbeit etc. Um als Schokolade das Siegel zu erhalten, müssen 90% des enthaltenen Kakaos UTZ-zertifiziert sein.

All diese Siegel stehen in der Kritik des „Mengenausgleichs“, d.h. dass fair gehandelte Rohstoffe bei der Verarbeitung mit handelsüblichen Produkten vermischt werden – woraus das Dilemma entsteht, dass nicht immer „fair“ drin ist, wo „fair“ draufsteht. Eine Ausnahme bildet hier das GEPA Siegel, was auf 100% fair gehandelte Zutaten setzt.

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