Paleo oder Vegan?

Published : 30.05.2017

Paleo oder Vegan?

Das Streben nach der richtigen und gesunden Ernährung wird immer mehr zum Lebensmittelpunkt derer, die es sich leisten können. Dabei kann man sich in dem Trubel von umhergeisternden und sich täglich verändernden Trends, Ratschlägen und Empfehlungen schnell mal verlieren. Alle wollen sie es sein: die Wunderdiät, die zu bester Gesundheit und Vitalität führt. Zwei aktuelle Ernährungsformen im Wettstreit miteinander sind der Veganismus und die Paleo-Diät. Die eine basiert auf einer 100% pflanzlichen Kost, während sich die andere tierischen Produkten nicht völlig entsagt. Was ist nun richtig?

Starten wir mit dem „grüneren“ und extremeren von beiden: „Ich bin ein Veganer“ könnte der neue Wahlspruch eines modernen US Präsidenten sein, aufgewachsen in der „Snowflake Generation“, die giftgrüne und purpurfarbene Smoothies dem klassischen Eier Frühstück den Vorzug gibt. „Vegan sein“ ist vielmehr eine Lebensphilosophie als das Befolgen eines bestimmten Speiseplans. Folgt man einem veganen Lebensstil so verzichtet man auf sämtliche Produkte mit tierischem Ursprung. Und das mag die Grenzen des Tellerrandes weit überschreiten: streng genommen gilt vegan sein auch bei der Auswahl der Kleidung (wie Leder und Wolle) und der Wahl der Kosmetik, die auf rein pflanzlichen Inhaltstoffen basieren sollte. Dabei steht vor allem die moralische Überzeugung im Vordergrund, Tierleid zu vermeiden und möglichst umweltverträglich zu leben, d.h. seinen ökologischen Fußabdruck so klein wie möglich zu halten. In der Konsequenz heißt das, neben Fleisch und Fisch auch keine Milchprodukte, Eier oder Honig zu verzehren. Ernährungsphysiologisch heißt das aber auch, dass man auf eine Vielzahl von wichtigen Nährstoffquellen verzichtet. Pflanzliche Vitaminquellen unterliegen oft in ihrer Bioverfügbarkeit und Wertigkeit denjenigen tierischen Ursprungs. Kritische Nährstoffe, die in einer veganen Ernährung oft zu kurz kommen sind das Vitamin B12, Omega-3 Fettsäuren sowie die Spurenelemente Eisen, Calcium, Jod und Zink. Mangelerscheinungen bleiben oft unbemerkt und zeigen sich erst Jahre später und können sogar in gesundheitlichen Risiken enden. Beispielsweise kann eine langfristige Vitamin B12-arme Ernährung negative Folgen für die Zellfunktion haben und neurologische Störungen verursachen. Die Alternative sind oft Nahrungsergänzungsmittel und vegane „fake“ Produkte, die allerdings oftmals fragwürde Zusatzstoffe enthalten (z.B. Glutamat!), um gewünschte Konsistenz, Farbe und Geschmack nachzuahmen.

Eine Ernährung, die sich an unseren natürlichen Essmustern orientiert, die aus uns letzten Endes das gemacht hat, was wir heute sind, ist die Paleo-Diät. Die Idee basiert darauf, sich von dem zu ernähren, an das wir evolutionshistorisch gesehen am besten angepasst sind. Dabei wird Paleo im Volksmund oft vereinfacht als „Steinzeitdiät“ umschrieben und ihre Anhänger zu Unrecht als „Fleischfresser“ verunglimpft. Und das nur, weil sie grundsätzlich den Fleischkonsum nicht verbietet, ihn aber alle mahl zügelt und mäßigt und vor allem auf höchste Qualität und regionale Herkunft setzt. Dabei ist auch Paleo viel mehr Lebensweise als Diät, ein gesunder lifestyle, der mehr im Einklang mit Mensch und Natur steht. Die Ernährung bestehend aus unverarbeiteten, regional saisonalen Lebensmitteln steht in Verbindung mit ausreichend Bewegung und körperlicher Fitness. Die PALEO Diät selber ist abwechslungsreich und vielseitig gestaltbar: saisonales Obst und Gemüse, das reich an Antioxidantien, Vitaminen und Mineralien ist, wird kombiniert mit Proteinen aus artgerechtem Weidefleisch, Eiern und wildem Fisch, das Muskelaufbau, Knochengerüst und Immunsystem stärken. Ergänzt mit gesunden Fetten wie aus Nüssen, Samen, Avocados und pflanzlichen Ölen, ist man nicht nur mit ausreichend hochwertigem Eiweiß versorgt, sondern auch mit allen essentiellen Fettsäuren. Durch das Vermeiden von unverdaulichen Lebensmitteln wie Getreide, Hülsenfrüchte, Milchprodukte und Zucker, wirkt eine Paleo Diät aktiv gegen Insulinresistenz und schützt so vor Allergien und Typ 2 Diabetes. Aufgrund der vielseitigen Nährstoffquellen ist die Paleo Ernährung unübertrefflich, was die Versorgung essentieller Vitamine und Mineralstoffe angeht und birgt damit einen klaren Vorteil gegenüber seinem veganen Mitstreiter.

Was beide verbindet ist eine hohe Wertschätzung von möglichst „natürlichen“ Lebensmitteln aus regionaler Erzeugung unter Ausschluss chemisch-synthetischer Hilfsmittel. Letztendlich geht es darum eine gesunde Balance und sein eigenes Rezept des Lebens zu finden. Nur ist hervorzuheben, dass es moralisch nicht verwerflich ist , sich ab und zu auf ein gutes Stück Fleisch aus verantwortungsvoller Herkunft zu freuen. Und da bietet die Paleo Ernährungsform sicherlich mehr Freiheiten als der Veganismus.

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