Proteinprodukte – mehr Hype als gesund?

Veröffentlicht am: 23.05.2018

Proteinprodukte – mehr Hype als gesund?

Proteine sind im Trend. Im Volksmund werden sie als Muskelbooster und Fettkiller gehypt. Mit diesem Image spielt die Lebensmittelindustrie schon seit längerem und inzwischen gibt es im Supermarkt immer mehr Produkte, die mit Proteinen angereichert sind. Die Liste ist lang und reicht von Müslis, zu Trinkmilch, Brot und Schokoriegel. Alle versprechen, fit, schlank und gesund zu machen – dank Eiweiß.

Keine Frage, unser Körper braucht Eiweiß. Neben Fett und Kohlenhydraten gehört Eiweiß zu den drei Hauptnährstoffen, ohne die unser Körper nicht funktionstüchtig wäre. Von Muskeln und Stoffwechsel bis hin zu Hormonhaushalt und Zellwachstum – in allen spielt Eiweiß eine essentielle Rolle. Dabei enthalten zahlreiche Lebensmittel wie Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte, Nüsse und sogar Hülsenfrüchte von Natur aus Eiweiß. Doch in Zeiten des „Eiweißhypes“, wo die „Low Carb Diät“ immer mehr Anhänger findet, werden sowohl eiweißarme Produkte wie Brot, als auch natürlich eiweißreiche Produkte mit Proteinen angereichert. Um beispielsweise aus Brot, was von Haus aus kohlenhydrathaltig ist, eine Proteinquelle zu machen, muss die Industrie das Produkt anreichern. Bei Brot wird klassisch mit Weizeneiweißkonzentrat nachgeholfen, im Müsli mit Soja-, Weizen- oder Lupineneiweiß. Inzwischen werden aber auch Produkte wie Käse, Quark und Joghurt mit Protein angereichert – ist das nicht zu viel des Guten?

Bei angereicherten Produkten gilt die „Health Claims-Verordnung“ nach der ein Produkt dann als „Proteinquelle“ beworben werden darf, wenn mindestens 12% des Energiegehaltes aus Proteinen besteht. „Hoher Proteingehalt“ darf verwendet werden, wenn mindestens 20 % der Energie aus Proteinen gewonnen wird.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt für Erwachsene am Tag 0,8 Gramm Protein pro Kilo, was normalerweise über eine ausgewogene Ernährung erreicht werden kann. Laut DGE gibt es in Deutschland eher eine Protein- Über- als eine Unterversorgung. Wo die 0,8 Gramm Regel jedoch abweicht, ist im Fall von älteren Menschen und Leistungssportlern, die einen höheren Proteinbedarf haben.

Problematisch ist, dass Protein-Lebensmittel wie Müslis, Trinkmilchs und co. oft relativ viel Zucker und Fett enthalten. Der Teufel steckt im Detail: nicht selten besitzt ein Protein-Müsli mehr Fett als die gleiche Variante aber als Schoko-Müsli. Und während ein Eiweißbrot teilweise über 13 Gramm Fett besitzt, liegt die Roggen-Variante im Schnitt bei 1 Gramm. Es lohnt sich also, Produkte näher anzuschauen, vor allem wenn sie als besonders gesund umworben werden. Gesundheits-Slogans haben oft mehr die Interessen der Industrie statt die Gesundheit ihrer Konsumenten im Sinn.

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