Hinter einer Tasse Tee verbirgt sich viel mehr als nur ein paar getrocknete Kräuter. Was man im Rausch des Genusses oft vergisst sind die wohltuenden gesundheitlichen „Nebenwirkungen“, die vor allem mit Grünem Tee einhergehen.
Das faszinierende dabei ist, dass es nur 2 Teepflanzen gibt, aber 3000 Sorten. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen sechs großen Teesorten – grüner Tee, gelber Tee, Oolong-Tee, Pu Erh Tee und schwarzer Tee. Botanisch stammen sie alle von der gleichen Pflanze ab: von dem Teestrauch Camellia Sinensis, der in China schon seit über 5000 Jahren angebaut wird. Die unterschiedlichen Sorten entstehen dann durch individuelle Veredelung - die Nährstoffzusammensetzung wird mitunter auch von Klima und Umweltbedingungen mitbeeinflusst.
Dass Tee (vor allem Grüner Tee) immer mehr als ein natürliches Mittel zur Vorbeugung gegen Krebs gehandelt wird liegt vorwiegend an der Fülle der enthaltenen Tee-Polyphenolen (Gerbstoffe). Polyphenole dienen der Pflanze als Schutz vor Fressfeinden und Krankheiten und sind darüber hinaus maßgeblich an Geschmack, Farbe, Stabilität und Qualität der Pflanze beteiligt. Die gesundheitlich relevanteste Stoffgruppe ist die der Flavanoide, besonders die sogenannten Catechine, die bis zu 30% der Trockenmasse von Teeblättern ausmachen können. Vor allem das Epigallocatechingallat (EGCG) gilt als das führende Antioxidant unter den Catechinen. Was der Pflanze als Schutzschild dient, erzielt einen ähnlichen Effekt im menschlichen Organismus: das hochwirksame EGCG bekämpft schädlichen oxidativem Stress - die Ausgangslage zu verfrühter Zellalterung und die Entstehung von Krebszellen.
Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal liegt im Fermentationsgrad des Tees. Hier werden bestimmte Inhaltsstoffe des Tees durch Oxidation bzw. Enzymreaktion in Aromastoffe umgewandelt. Während grüner Tee unfermentiert ist, erreicht weißer Tee einen Fermentationsgrad von etwa 2% und gilt außerdem als „naturbelassenster“ Tee – bis hin zum vollständig fermentierten schwarzen Tee. Mit fortschreitender Oxidation nimmt die Catechin Menge ab – in schwarzem Tee sind in der Regel mehr als 80% der wertvollen Catechine oxidiert.
Als inspirierende Endnote sei noch erwähnt, dass mittlerweile nicht nur mehr in China, Sri Lanka, Vietnam und Kenia Tee angebaut wird. Selbst unter den unwirklichsten Bedingungen, angebaut im schottischen Hochlandnebel, hat sich der Dalreoch Smoked White zu einem der teuersten Tees der Welt hinaufgeschwungen. Dass in Großbritannien täglich 165 Millionen Tassen Tee getrunken werden mag vorstellbar sein – dass sich gerade Schottland jedoch als Teeland entpuppt und im Salon du Thé in Paris Gold gewinnt, hätten die meisten für unmöglich gehalten. Eine Theorie ist, dass je höher die Lage in der die Teepflanze wurzelt, desto langsamer ist das Wachstum. Geringere Geschwindigkeit bedeutet mehr Aroma. Man mag glauben, je stärker die Pflanze gegen Wind und Regen zu kämpfen hat, desto mehr schützende Polyphenole werden produziert, umso feiner der resultierende Geschmack im Gaumen.